Die "Beckham-Law" - eine spezielle Einkommensteuerregelung für Ausländer in Spanien


Artikel vom: 08.10.2019

 

Da ich hauptsächlich für ausländische Privatpersonen arbeite, bekomme ich öfter Anfragen zum Thema „Beckham-Law“. Heute möchte ich einen Überblick zu dem Thema geben: Was ist das? Wer kann sie nutzen? Für wen lohnt sich die Anwendung überhaupt? Welche Auswirkungen bringt das außer der Einkommensteuer-Flatrate mit sich?

1. Was ist die "Beckham-Law"?

Die sogenannte „Beckham-Law“ heißt eigentlich „Régimen especial para trabajadores desplazados“ und ist eine Sonderregelung innerhalb der spanischen Einkommensteuer.

Diese Regelung ist für Personen gedacht, die als hochqualifizierte ausländische Arbeitskräfte nach Spanien ziehen, und viel verdienen. Um sie nicht mit einer Einkommensteuer von bis zu 47% auf Einkommen ab ca. 50.000 EUR abzuschrecken, wurde eine Regelung geschaffen, gemäß der Vielverdiener, die neu nach Spanien ziehen, ihre Arbeitseinkünfte mit fix 24% besteuern (bis 600.000 EUR, darüber hinaus: 45%).

Der nach Spanien zugezogene Arbeitnehmer, der ja tatsächlich in Spanien steuerlich ansässig ist, wird im Prinzip so behandelt, als wäre er nichtansässig.

2. Wer kann sie nutzen?

Die "Beckham-Law" gilt für Personen, die aus dem Ausland nach Spanien ziehen.

a) Voraussetzungen:

Damit man in den Genuss dieser Einkommensteuerregelung kommt, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • die Person darf in den letzten 10 Jahren vor dem Zuzug nach Spanien nicht in Spanien ansässig gewesen sein.
  • der Umzug nach Spanien muss dabei erfolgen, weil die Personen einen Arbeitsvertrag in Spanien annimmt (für professionelle Sportler gilt diese Regelung nicht mehr). Dieser Arbeitsvertrag kann mit einem spanischen Arbeitgeber geschlossen worden sein, oder es kann sich um eine Entsendung aus dem Ursprungsland nach Spanien handeln, mit einem Entsendevertrag.
  • der Umzug nach Spanien kann auch erfolgen, weil die Person die Kondition eines „Verwalters“ (administrador) annimmt. Ein „administrador“ in Spanien ist so etwas wie ein im Handelsregister eingetragener Geschäftsführer eines Unternehmens. Zu beachten ist hier, dass man nicht einfach sein eigenes Unternehmen gründen und dann die Beckham-Law nutzen kann. Denn die Position des Verwalters muss in einem Unternehmen eingenommen werden, mit dem keine Verbindung besteht, d.h. falls man selbst am Unternehmen beteiligt sein möchte, dann muss diese Beteiligung unter 25% sein, sonst ist eine Anwendung der Beckham-Law nicht möglich.
  • die Person darf keine Einkünfte aus einer in Spanien befindlichen Betriebsstätte erhalten.
  • die Anmeldung zur Beckham- Law muss innerhalb von 6 Monaten ab dem Tag, an dem der Arbeitnehmer bei der spanischen Sozialversicherung angemeldet wurde, erfolgen. Danach ist die Anmeldung nicht mehr möglich (und die Person unterfällt der "normalen" spanischen Einkommensteuer).

 

b) Dauer:

Diese Spezialregelung bei der Einkommensteuer findet zum ersten Mal Anwendung in dem Kalenderjahr, in dem die Person nach ihrem Umzug in Spanien mehr als 183 Tage verbringt. Sie kann in diesem Jahr und in den 5 Folgejahren genutzt werden. D.h. also insgesamt kann man sie 6 Jahre nutzen.

3. Welche Auswirkungen hat die Anwendung der Beckham-Law?

Kurz gesagt, zahlen die Anwender fix 24% Einkommensteuern auf Arbeitseinkünfte (aus der ganzen Welt) bis 600.000 EUR (darüber hinaus: 45%) und müssen ansonsten nur die Einkünfte versteuern, die aus Spanien stammen, alles andere ist irrelevant und muss auch nicht gemeldet werden.

a) Einkommensteuer: fixe 24%, aber keine Berücksichtigung der persönlichen Situation

Die Anwender der Beckham- Law werden im Prinzip wie Nichtansässige behandelt, d.h. prinzipiell müssen nur Einkünfte, die aus Spanien stammen, versteuert werden.

Lediglich beim Einkommen aus Arbeit gilt eine Ausnahme: das weltweit aus Arbeit stammende Einkommen wird als in Spanien entstanden behandelt, d.h. wenn der Arbeitnehmer z.B. in Wirklichkeit für seine Arbeit öfter ins Ausland reist und auch aus dem Ausland bezahlt wird, muss diese Bezahlung in Spanien mit versteuert werden (aber die im Ausland darauf gezahlte Steuer kann angerechnet werden).

 

Wichtig ist, dass bei der Beckham-Law die persönliche Situation komplett unberücksichtigt bleibt, es ist unerheblich, ob man Kinder hat, ob man zur Miete wohnt, ob man privat in einem Pensionsfonds einbezahlt etc.

Es gibt keine Freibeträge und Steuerabzüge gibt es lediglich für Spenden an gemeinnützige Organisationen.

Es gibt auch keine Steuervergünstigungen z.B. für Fälle, in denen man seine Wohnung verkauft und den Verkaufspreis in eine neue Wohnung reinvestiert. In solchen Fällen würde der gesamte Verkaufspreis als zu versteuernde Einkünfte gewertet.

 

Was ich zum Ausdruck bringen möchte, ist, dass sich die Anwendung nicht in jedem Fall lohnt. 24% Flatrate klingt gut, doch man sollte immer die persönliche Situation prüfen.

 

Die Beckham-Law kann v.a. die steuerliche Situation von Personen vereinfachen, die Vermögen in mehreren Ländern haben und daraus Einkünfte erhalten. Wer z.B. Verwalter in einem spanischen Unternehmen ist (und daher Anwender der Beckham-Law), eine Immobilie in Frankreich hat, die vermietet wird; Aktien in Deutschland, die Dividenden zahlen; an einem Unternehmen in Österreich beteiligt ist, und daraus Dividenden erhält, der muss in Spanien nur seine Einkünfte aus der Eigenschaft als Verwalter angeben und versteuern. Einkünfte aus dem Ausland (ausser aus Arbeit) sind irrelevant. D.h. für diese Person, sie hat es wesentlich leichter als ein normaler Ansässiger, der sein Welteinkommen in Spanien versteuern muss, und all diese ausländischen Einkünfte angeben muss und jeweils mit Blick auf die verschiedenen geltenden Doppelbesteuerungsabkommen mit Spanien sehen muss, wie diese Einkünfte richtig zu versteuern sind.

b) kein Modelo 720 (Erklärung zu Auslandsvermögen):

Wer für die Regelungen der Beckham-Law angemeldet ist, muss kein Modelo 720 (informative Erklärung zum Auslandsvermögen) einreichen. Diese Steuermeldung müssen nur in Spanien ansässige Personen machen. Da die Anwender der Beckham- Law steuerlich wie Nichtansässige behandelt werden, müssen sie kein Modelo 720 ausfüllen.

Dies ist ebenfalls eine erhebliche administrative Erleichterung, v.a. da Personen, die wegen einer gut bezahlten Stelle aus dem Ausland nach Spanien ziehen, meist auch irgendwelche Vermögensgegenstände im Ausland haben.

c) Vermögenssteuer nur bzgl. spanischer Vermögensgegenstände:

Zu beachten ist, dass man auch als Anwender der Beckham-Law der spanischen Vermögenssteuer unterfallen kann. Dann nämlich, wenn man in Spanien Vermögenswerte besitzt (z.B. Immobilien, Aktien, …). Alles was im Ausland liegt, ist irrelevant.

4. Typische Fragen zum Thema "Beckham-Law":

a) Ab welchem Einkommen „lohnt“ sich die Beckham-Law?

Wenn man nur auf den Einkommensteuersatz abstellt, und nicht auf die anderen Vorteile, die die Beckham-Law mit sich bringt (v.a. Vereinfachung bzgl. allem Vermögen und Einkünften aus dem Ausland), lohnt sich die Anwendung für Personen, die mindestens ein Bruttojahresgehalt von 60.000 EUR verdienen.

 

Bei einem geringeren Verdienst führen die Steuerfreibeträge für Arbeitnehmer, die Abzugsfähigkeit der Sozialabgaben und der progressive Einkommenssteuersatz dazu, dass die „normale“ Einkommensteuer von Ansässigen günstiger ist.

 

Beispielrechnungen:

1. Lediger Arbeitnehmer ohne Kinder, 35 Jahre alt, wohnt in Madrid, verdient 60.000 EUR im Jahr, zahlt 2.000 EUR Sozialversicherung im Jahr. Keine weiteren Einkünfte.

a) Steuerbelastung bei Beckham-Law: 24% von 60.000 EUR = 14.400 EUR.

b) Steuerbelastung bei normaler Einkommensteuer: 15.124,30 EUR.

 

2. Lediger Arbeitnehmer ohne Kinder, 35 Jahre alt, wohnt in Madrid, verdient 30.000 EUR im Jahr, zahlt 2.000 EUR Sozialversicherung im Jahr. Keine weiteren Einkünfte.

a) Steuerbelastung bei Beckham-Law: 24% von 30.000 EUR = 7.200 EUR.

b) Steuerbelastung bei normaler Einkommensteuer: 4.768,25 EUR.

b) Kann ich mich auch erst später für die "Beckham-Law" anmelden?

Nein, die Anmeldung für die Anwendung der "Beckham-Law" muss innerhalb von 6 Monaten ab Anmeldung bei der spanischen Sozialversicherung erfolgen. Danach ist es nicht mehr möglich.

Man kann also nicht sagen: dieses Jahr verdiene ich „nur“ 50.000 EUR, aber nächstes Jahr verdiene ich 60.000 EUR, also melde ich mich erst nächstes Jahr an. Das geht nicht.

Man sollte daher auch die Entwicklung des Verdienstes über die Jahre im Blick haben. Vielleicht lohnt sich die Beckham-Law nicht im ersten Jahr, aber ab dem zweiten oder dritten.

c) Ausschluss von der "Beckham-Law":

Es gibt Situationen, in denen man von der Anwendung der Beckham-Law im Nachhinein ausgeschlossen wird.

Dies ist der Fall, wenn man die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt, die für die Anwendung gelten, also z.B. wenn man nicht mehr Verwalter des Unternehmens ist oder nicht mehr Arbeitnehmer. Man darf allerdings z.B. den Arbeitgeber wechseln, aber der Zeitraum zwischen dem Verlust des Arbeitsplatzes, wegen dem man die Beckham-Law anwenden konnte, und der Aufnahme eines neuen Arbeitsverhältnisses darf nicht zu lang sein. Was "zu lange" ist, wird vom Finanzamt bestimmt, da gibt es keine klare Regelung, das wird im Einzelfall betrachtet.

 

Wenn man sich aber z.B. selbständig machen möchte, statt zu arbeiten, kann man die Beckham-Law im Prinzip nicht mehr nutzen, wobei es in dem Fall darauf ankommt, ob die aus der Tätigkeit erzielten Einkünfte als Einkünfte aus einer in Spanien befindlichen Betriebsstätte gewertet werden. Da dies einzelfallabhängig ist, empfehle ich drigend, vor der Aufnahme irgendeiner "Nebenbeschäftigung" einen Steuerberater zu befragen!

 

Einmal ausgeschlossen, kann man die Beckham-Law später nicht mehr nutzen, auch wenn man z.B. innerhalb der 6 Jahre, in denen man sie eigentlich hätte nutzen kann, später noch einmal die Voraussetzungen erfüllt.

d) Abmeldung von der "Beckham-Law" - Kann ich mich doch wie ein normaler Ansässiger versteuern lassen?

Ja, man kann sich von der Anwendung freiwillig abmelden. Z.B. wenn man feststellt, dass sich der Verdienst nicht so entwickelt hat, wie man dachte, oder die persönliche Situation sich geändert hat (Kinder, kein Vermögen mehr im Ausland, …), und man mehr Steuern zahlt als bei normaler Einkommenssteueranwendung.

 

Die Abmeldung muss immer in den Monaten November und Dezember für das kommende Jahr erfolgen. D.h. wenn ich in 2019 feststelle, dass ich mit normaler Einkommensteuer besser gefahren wäre, dann kann ich mich im November abmelden und zahle ab 2020 die ganz normale Einkommensteuer wie jeder Spanier.

e) Kann ich mich nach Ausschluss oder Abmeldung erneut zur Anwendung entscheiden?

Nein, einmal abgemeldet oder von der Anwendung ausgeschlossen, kann man sich nicht erneut für die Beckham-Law anmelden. Also immer gut im Vorfeld überlegen, was man will und was günstiger ist.

f) Meine Anmeldung bei der Sozialversicherung war am 1.8.19, d.h. das erste Jahr, in dem die Regelung gilt, ist 2020. Wie muss ich mein Arbeitseinkommen aus 2019 versteuern?

Wenn man am 1.8.19 nach Spanien kommt, gilt man für das Kalenderjahr 2019 als Nichtansässiger.

Für die Einkünfte der Monate August bis Dezember 2019 ist daher die „Einkommensteuer von Nichtansässigen“ (IRNR) zu entrichten. Diese liegt bei Einkünften aus Arbeit normalerweise bei 24%. Besonderheit: Ansässige in anderen EU-Mitgliedsstaaten zahlen nur 19% und können außerdem Sozialabgaben vom Bruttoeinkommen abziehen.

 

Normalerweise ziehen die Arbeitgeber in solchen Fällen entweder 19% oder 24% ab, je nachdem, woher der Arbeitnehmer kommt (z.B. aus Deutschland: 19%, aus der Schweiz: 24%).

 

Hat der Arbeitgeber aber z.B. 24% abgezogen, der Arbeitnehmer hätte aber nur 19% zahlen müssen: dann kann man als Arbeitnehmer das Modelo 210 einreichen, und den zu viel gezahlten Betrag zurückfordern.

 

Hat der Arbeitgeber aber z.B. nur 19% einbehalten, der Arbeitnehmer hätte aber 24% zahlen müssen: dann muss der Arbeitnehmer das Modelo 210 einreichen und nachzahlen.


Fazit:

Die "Beckham-Law" ist eine spezielle Regelung im Rahmen der spanischen Einkommensteuer („Régimen especial para trabajadores desplazados“). Sie kann insbesondere von Personen genutzt werden, die nach Spanien ziehen, weil sie dort eine Arbeit aufnehmen (abhängige Beschäftigung, keine Selbständigkeit).

Das Arbeitseinkommen wird dann fix mit 24% Einkommensteuern besteuert und unterliegt nicht der Progression. Die Anwendung lohnt sich ab ca. 60.000 EUR Bruttojahreseinkommen.

 

Außerdem hat die Anwendung die Vorteile, dass man nur Einkünfte aus spanischer Quelle versteuern muss, kein Modelo 720 einreichen muss und auch der Vermögenssteuer nur für in Spanien befindliches Vermögen unterliegt.

 

Wichtig: die Anmeldung muss innerhalb von 6 Monaten ab Anmeldedatum bei der spanischen Sozialversicherung erfolgen.

Die Beckham- Law gilt für maximal 6 Jahre. Wenn man dann noch in Spanien ist, wird man automatisch als normaler Ansässiger behandelt. Man kann sich von der Anwendung auch freiwillig abmelden, dann ist allerdings keine erneute Anwendung mehr möglich.

 

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Ich schaue mir Ihren Fall an und prüfe, ob sich die Anwendung für Sie lohnt oder nicht. Ich erledige die Anmeldung für Sie und erstelle auch gerne Ihre entsprechende Einkommensteuererklärung (Modelo 151). So einfach geht das.